Kerzenherstellung folgt keinem allgemeingültigen Rezept. Eine Kerze ist ein System aus Wachs, Docht, Duftöl, optionaler Farbe und ihrem Format. Für ein zuverlässiges Ergebnis entscheiden Sie zunächst, ob die Kerze in einem Behälter bleibt oder aus einer Form entnommen wird. Wählen Sie anschließend kompatible Materialien, wiegen Sie die Rezeptur ab, befolgen Sie die Verarbeitungshinweise für das konkrete Wachs, lassen Sie die Kerze abkühlen und aushärten und testen Sie ihr Brennverhalten.
Eine glatte Oberfläche und ein starker Kaltduft sind gute Zeichen. Sie beweisen jedoch nicht, dass die Kerze fertig entwickelt ist. Das zeigt erst der Abbrenntest.
KURZANLEITUNG
Kerzenherstellung auf einen Blick
Für Behälterkerzen und Stumpenkerzen gilt dieselbe grundlegende Vorgehensweise:
- Legen Sie fest, welchen Kerzentyp Sie herstellen möchten.
- Wählen Sie ein Wachs, das für diesen Kerzentyp entwickelt wurde.
- Wählen Sie geeignete Dochte als Ausgangspunkt.
- Legen Sie den Duftölanteil fest und berechnen Sie die Charge nach Gewicht.
- Beachten Sie die Schmelz-, Duftzugabe- und Gießtemperaturen des konkreten Wachses.
- Gießen Sie das Wachs in einen korrekt vorbereiteten Behälter oder eine passende Form.
- Lassen Sie die Kerze abkühlen und aushärten.
- Führen Sie mit der vollständigen Rezeptur einen Abbrenntest durch.
- Ändern Sie immer nur eine Variable und testen Sie erneut.
Bei den in diesem Leitfaden verwendeten Beispielwachsen wird das Duftöl je nach Produkt entweder unmittelbar vor dem Gießen bei 55–65 °C oder bei etwa 70–80 °C hinzugefügt. Die Gießtemperaturen liegen ungefähr zwischen 55 und 70 °C. Das sind produktspezifische Ausgangswerte, keine allgemeingültigen Einstellungen.
Für die abschließende Beurteilung des Warmdufts lassen viele Kerzenhersteller Sojawachs-Behälterkerzen etwa 7–14 Tage aushärten. Dies ist eine praktische Empfehlung für Produkttests und keine allgemeingültige Herstellervorgabe.
Notieren Sie die geplante Rezeptur, bevor Sie etwas schmelzen. Das Gedächtnis ist ein erstaunlich unzuverlässiges Chargenprotokoll.
Zuletzt aktualisiert: 24. August 2026
Beginnen Sie mit der Wahl des Kerzentyps
Die erste Entscheidung betrifft nicht den Duft, sondern den Kerzentyp: Stellen Sie eine Behälterkerze oder eine Stumpenkerze her? Davon hängen das Wachs, die Vorbereitung, das Abkühlverhalten und das Testverfahren ab.
| Behälterkerze | Stumpenkerze | |
|---|---|---|
| Ausführung der fertigen Kerze | Bleibt in einem Kerzenglas oder Metallgefäß | Wird aus einer Form entnommen und brennt frei stehend |
| Wachs | Weicheres Wachs, das für Behälter und gute Haftung entwickelt wurde | Härteres Wachs für Formstabilität, Schrumpfung und leichtes Entformen |
| Durchmesser für die Dochtwahl | Innendurchmesser des Behälters | Größter Durchmesser der fertigen Kerze |
| Wichtige Prozessfaktoren | Eignung des Gefäßes, Dochtzentrierung, Haftung, Wet Spots (scheinbare Ablösungen des Wachses vom Glas) und Behältertemperatur | Vorbereitung der Form, Schrumpfung, Entformung, Oberflächenqualität und Formstabilität |
| Ausführliche Anleitung | Behälterkerzen herstellen | Befolgen Sie die Hinweise für Stumpenkerzen und das ausgewählte Wachs |
Verwenden Sie kein Behälterwachs für eine frei stehende Stumpenkerze. Es kann zu weich sein, um seine Form zu halten. Gehen Sie umgekehrt nicht davon aus, dass ein Stumpenwachs in einem Glas gut funktioniert: Es wurde so entwickelt, dass es schrumpft und sich aus einer Form lösen lässt – nicht unbedingt, um am Glas zu haften.
Für das erste Projekt lässt sich eine einfache Behälterkerze in einem geradwandigen Glas meist leichter kontrollieren. Die Grundregel ist jedoch bei beiden Formaten dieselbe: Verwenden Sie Materialien, die für den gemeinsamen Einsatz entwickelt wurden.
Entdecken Sie unsere Wachse für Behälterkerzen und Wachse für Stumpenkerzen.
ARBEITSPLATZ-CHECKLISTE
Was Sie zur Kerzenherstellung benötigen
Materialien
- Kerzenwachs: Je nach Projekt für Behälterkerzen oder Stumpenkerzen entwickelt.
- Kerzendocht: Als Ausgangspunkt passend zu Wachstyp und Kerzendurchmesser ausgewählt.
- Duftöl: Für Kerzen geeignet und mit Anwendungshinweisen sowie den erforderlichen Produktunterlagen des Lieferanten.
- Kerzenfarbe: Optional. Wenn Sie beim ersten Test möglichst wenige Variablen haben möchten, beginnen Sie ohne Farbstoff.
- Behälter oder Form: Der Behälter muss für Kerzen geeignet sein. Die Form muss mit heißem Wachs und der geplanten Kerzenform kompatibel sein.
- Dochtzubehör: Je nach Kerzentyp Dochtfüße, Klebepads, Zentrierhilfen, Formdichtungen oder Dochtstifte.
Werkzeuge
- eine Digitalwaage mit einer für die Chargengröße geeigneten Genauigkeit;
- ein zuverlässiges Thermometer;
- eine kontrollierbare Wärmequelle mit Wasserbad, ein Wachsschmelzer oder ein anderes geeignetes Schmelzsystem;
- ein Gießkrug;
- ein sauberes Rührwerkzeug;
- hitzebeständige Handschuhe;
- eine geschützte, ebene und hitzebeständige Arbeitsfläche;
- ein Notizbuch oder ein digitales Chargenprotokoll.
Wiegen Sie Wachs, Duftöl und Farbstoff ab. Eine reproduzierbare Rezeptur entsteht nicht mit Löffeln, Tassen oder einer bestimmten Anzahl Flaschen.
Wählen Sie das konkrete Wachs – nicht nur eine allgemeine Wachsart
„Sojawachs“, „Rapswachs“ oder „Olivenwachs“ bezeichnet eine Rohstofffamilie, aber keinen vollständigen Herstellungsprozess. Zwei Wachse aus ähnlichen Rohstoffen können unterschiedliche Temperaturen, Duftölanteile, Abkühlbedingungen und Aushärtezeiten erfordern.
Hier sind vier praktische Beispiele.
Wachse für Behälterkerzen
- Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen ist ein weit verbreitetes Sojawachs für Behälterkerzen. Es ergibt eine glatte, cremige Oberfläche und eignet sich für einen Duftölanteil von etwa 5–12 %.
- Golden Wax™ R45+ Behälterwachs ist ein speziell für Behälterkerzen entwickeltes Rapswachs. Es ergibt eine glatte, glänzende Oberfläche mit reduziertem Frosting (sichtbarer Kristallbildung) und eignet sich für einen Duftölanteil von etwa 6–10 %.
Wachse für Stumpen- und Formkerzen
- EcoSoya™ PillarBlend Wachs ist ein Sojawachs für Stumpenkerzen, Votivkerzen und Wachsschmelzen. Es lässt sich gut entformen, ergibt eine glatte Oberfläche und kann bis zu 10 % Duftöl aufnehmen.
- KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs ist ein härteres Sojawachs für Stumpen- und Formkerzen. Es eignet sich für einen Duftölanteil von etwa 5–10 % und wird normalerweise bei etwa 55–65 °C gegossen.
Prüfen Sie bei jedem Wachs:
- ob es für Behälter- oder Stumpenkerzen vorgesehen ist;
- die maximale Erhitzungstemperatur, sofern angegeben;
- die empfohlene Temperatur für die Zugabe von Duftöl und Farbstoff;
- den empfohlenen Gießtemperaturbereich;
- den empfohlenen und maximalen Duftölanteil;
- die Hinweise zur Aushärtezeit;
- bekannte Eigenschaften hinsichtlich Oberfläche, Schrumpfung und Haftung.
Es gibt keine einheitliche Schmelz- oder Gießtemperatur für alle Kerzenwachse. Verwenden Sie immer die technischen Angaben für das konkrete Produkt in Ihrer Charge.
Lesen Sie den vollständigen Leitfaden zur Wahl des Kerzenwachses oder vergleichen Sie die verfügbaren Kerzenwachse.
Wählen Sie einen Docht als Ausgangspunkt – und testen Sie ihn
Der Docht steuert, wie sich die Wärme in der Kerze verteilt. Als Ausgangspunkt wird die Dochtgröße normalerweise anhand des Innendurchmessers des Behälters oder des größten Durchmessers der fertigen Stumpenkerze gewählt. Der Durchmesser allein reicht jedoch nicht aus.
Die Dochtleistung wird außerdem beeinflusst durch:
- die Wachsrezeptur;
- das Duftöl und den Duftölanteil;
- Art und Konzentration des Farbstoffs;
- Form und Tiefe der Kerze;
- die Verwendung eines oder mehrerer Dochte.
Eine Dochtgrößentabelle grenzt die Auswahl ein. Sie bestätigt jedoch nicht, dass die Kerze funktioniert. Beginnen Sie mit dem empfohlenen Docht und vergleichen Sie ihn, wenn möglich, mit einem kleineren und einem größeren Docht in ansonsten identischen Kerzen.
Ein Docht kann zu klein sein, wenn die Flamme schwach wird, die Kerze dauerhaft tunnelt oder zu viel Wachs an den Seiten zurückbleibt. Er kann zu groß sein, wenn die Flamme hoch oder instabil ist, die Kerze rußt, der Schmelzpool sehr tief wird oder sich der Behälter übermäßig erhitzt.
Der richtige Docht sollte eine kontrollierte Flamme, eine gleichmäßige Entwicklung des Schmelzpools, geringe Kohlenstoffablagerungen und weder anhaltende Rußbildung noch Überhitzung erzeugen.
Testen Sie die vollständige Kerze über ihre gesamte vorgesehene Brenndauer. Eine Kerze brennt häufig heißer, wenn die Flamme tiefer im Behälter steht. Der erste Brennzyklus ist daher nur der erste Messpunkt.
Breite oder nicht runde Kerzen funktionieren mitunter besser mit mehreren kleineren Dochten als mit einem überdimensionierten Docht in der Mitte. Entscheidend sind die Wärmeverteilung und der Test über die gesamte Brenndauer – nicht allein der Durchmesser.
Nutzen Sie die Dochtgrößentabelle und lesen Sie den Leitfaden zur Wahl des richtigen Kerzendochts.
Duftöle und Duftabgabe verstehen
Duftöle bestimmen den Charakter einer Kerze. Die tatsächliche Duftleistung hängt jedoch von der vollständigen Rezeptur ab.
Der Kaltduft ist der Duft einer nicht angezündeten Kerze. Der Warmduft ist der Duft, den die Kerze beim Brennen abgibt.
Beide werden beeinflusst durch:
- Duftöl und Konzentration;
- Wachsrezeptur;
- Docht und Entwicklung des Schmelzpools;
- Verarbeitungstemperatur;
- Mischmethode;
- Aushärtezeit.
Verwenden Sie für Kerzen geeignete Duftöle und beachten Sie die Anwendungshinweise für das Duftöl und das Wachs.
Beurteilen Sie den Warmduft einer Sojawachskerze nicht unmittelbar nach dem Gießen abschließend. Die Duftleistung kann sich während der Aushärtezeit weiterentwickeln.
CHARGENBERECHNUNG
Duftölanteil anhand des Wachsgewichts berechnen
Bei AROMA + WAX wird der Duftölanteil als Prozentsatz des Wachsgewichts berechnet.
FORMEL
Duftöl (g) = Wachsgewicht (g) × Duftölanteil (%) ÷ 100
BEISPIEL · 8 %
500 × 8 ÷ 100 = 40 g
500 g Wachs + 40 g Duftöl = 540 g fertige Mischung.
RÜCKWÄRTSRECHNUNG · 8 %
Wenn Sie genau 540 g fertige Mischung mit einem Duftölanteil von 8 % benötigen:
Wachsgewicht = Gewicht der fertigen Mischung ÷ 1,08
540 ÷ 1,08 = 500 g Wachs
Anschließend geben Sie 40 g Duftöl hinzu.
Die veröffentlichten Duftölbereiche für die vier Beispielwachse lauten:
- Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen: etwa 5–12 %;
- Golden Wax™ R45+ Behälterwachs: etwa 6–10 %;
- EcoSoya™ PillarBlend Wachs: bis zu 10 %;
- KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs: etwa 5–10 %.
Dies sind produktspezifische Bereiche und keine Empfehlung, grundsätzlich die Höchstmenge zu verwenden.
Sowohl der Grenzwert des Wachses als auch die maximale Einsatzkonzentration des Duftöllieferanten müssen eingehalten werden. Maßgeblich ist immer der niedrigere Wert.
Mehr Duftöl führt nicht automatisch zu einem stärkeren Warmduft. Ein zu hoher Anteil kann Ölaustritt, schlechte Verbrennung, Dochtprobleme, Ruß und eine instabile Flamme verursachen.
Jede neue Kombination aus Wachs, Duftöl und Docht muss als neue Rezeptur getestet werden.
Verwenden Sie den Chargenrechner für Kerzen aus Pflanzenwachs, wenn Sie die Rezeptur auf mehrere Kerzen hochrechnen.
Verwenden Sie für jeden Arbeitsschritt die richtige Temperatur
Bei der Kerzenherstellung sind mehrere unterschiedliche Temperaturen relevant:
- Schmelz- oder Verarbeitungstemperatur: Hoch genug, um das Wachs vollständig zu schmelzen und korrekt zu verarbeiten, ohne seine Höchsttemperatur zu überschreiten.
- Zugabetemperatur für Duftöl: Der für das jeweilige Wachs empfohlene Temperaturbereich zum Einarbeiten des Duftöls.
- Zugabetemperatur für Farbstoff: Der Temperaturbereich, der erforderlich ist, um die gewählte Kerzenfarbe aufzulösen oder gleichmäßig zu verteilen.
- Gießtemperatur: Der für das Wachs, das Kerzenformat und die Arbeitsbedingungen empfohlene Temperaturbereich.
Diese Temperaturen sind weder austauschbar noch allgemeingültig. Auch der Flammpunkt eines Duftöls gibt nicht vor, bei welcher Temperatur es dem Wachs hinzugefügt werden soll.
Praktische Ausgangswerte für die vier Beispielwachse:
| Wachs | Kerzentyp | Hinweise zum Erhitzen und Verarbeiten | Duftöl zugeben | Gießen |
|---|---|---|---|---|
| Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen | Behälterkerze | Langsam auf etwa 70 °C erhitzen; 85–90 °C nicht routinemäßig als Zieltemperatur verwenden | Etwa 65–75 °C | Etwa 55–65 °C |
| Golden Wax™ R45+ Behälterwachs | Behälterkerze | Langsam auf etwa 70–75 °C erhitzen; die für das Produkt angegebene Höchsttemperatur beachten | Etwa 65–75 °C | Etwa 55–65 °C |
| EcoSoya™ PillarBlend Wachs | Stumpenkerze | Vollständig schmelzen; die angegebene Höchsttemperatur von 90 °C nicht überschreiten | Etwa 70–80 °C | Etwa 65–70 °C |
| KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs | Stumpenkerze | Vollständig schmelzen; möglichst nicht über 85 °C erhitzen. Ein kurzer Anstieg auf 90 °C ist nur zulässig, wenn das Wachs anschließend schnell abgekühlt wird | Nach dem Abkühlen auf die erforderliche Gießtemperatur unmittelbar vor dem Gießen | Etwa 55–65 °C |
Die AAK-Produktdatenblätter für Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen und Golden Wax™ R45+ Behälterwachs enthalten in erster Linie physikalische Produktspezifikationen. Sie beschreiben kein vollständiges, vom Hersteller festgelegtes Verfahren zur Kerzenherstellung. Die oben genannten Temperaturen sind aktuelle praktische Ausgangswerte und müssen mit Ihrer Rezeptur, Ihrer Ausrüstung und Ihren Arbeitsbedingungen überprüft werden.
Der Gießtemperaturbereich von 55–65 °C für KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs stammt direkt aus dem technischen Datenblatt von Kerax.
Dokumentieren Sie bei jeder Testcharge die tatsächlich verwendeten Temperaturen. Wenn sich das Ergebnis verändert, müssen Sie nachvollziehen können, ob die Rezeptur oder nur der Prozess geändert wurde.
PROZESS
Die erste Kerze herstellen: Schritt für Schritt
Die Details unterscheiden sich bei Behälter- und Stumpenkerzen, der grundlegende Prozess bleibt jedoch gleich.
Rezeptur festlegen
Dokumentieren Sie Wachs, Duftöl, Duftölanteil, Farbstoff, Behälter oder Form und den gewählten Ausgangsdocht. Vergeben Sie für den Test eine Chargennummer.
Ändern Sie zwischen zwei Testkerzen nur eine wesentliche Variable. Wenn Sie gleichzeitig Docht, Duftölanteil und Gießtemperatur ändern, können Sie später nicht feststellen, welche Änderung das Ergebnis verursacht hat.
Behälter oder Form vorbereiten
Stellen Sie sicher, dass der Behälter beziehungsweise die Form sauber, trocken und für das Projekt geeignet ist. Befestigen und zentrieren Sie den Docht mit der für den jeweiligen Kerzentyp geeigneten Methode.
Ein Docht, der bereits schief beginnt, wird später nicht plötzlich kooperativer.
Bei einigen Stumpenwachsen kann eine vorgewärmte Form das Ergebnis verbessern. Bei KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs kann es beispielsweise hilfreich sein, eine kalte Form auf etwa 45–50 °C vorzuwärmen. Übertragen Sie diese Empfehlung nicht automatisch auf jedes Wachs.
Alle Bestandteile getrennt wiegen
Wiegen Sie Wachs, Duftöl und Farbstoff vor Arbeitsbeginn ab. So vermeiden Sie hektisches Abmessen in der Nähe von heißem Wachs und können die Charge leichter reproduzieren.
Wachs schmelzen
Erhitzen Sie das Wachs langsam und kontrollieren Sie die Temperatur. Beachten Sie die Verarbeitungs- und Höchsttemperaturen des konkreten Produkts.
Eine Höchsttemperatur ist eine Grenze, keine Zielvorgabe.
Lassen Sie schmelzendes Wachs niemals unbeaufsichtigt.
Farbe hinzufügen
Verwenden Sie ausschließlich Farbstoffe, die für Kerzenwachs vorgesehen sind.
Die erforderliche Temperatur hängt von der Farbstoffform und dem Wachs ab. Die technischen Hinweise für KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs empfehlen beispielsweise ungefähr:
- 75 °C für pulverförmige Farbstoffe;
- 70 °C für Flüssigfarben, Farbblöcke oder bereits aufgelöstes Farbpulver.
Verwenden Sie nur die kleinste wirksame Menge. Eine starke Färbung kann die Dochtleistung beeinflussen und macht einen erneuten Test der vollständigen Kerze erforderlich.
Duftöl hinzufügen
Geben Sie das Duftöl bei der für das Wachs angegebenen Temperatur hinzu.
Bei den Beispielen in diesem Leitfaden reicht der richtige Zeitpunkt von unmittelbar vor dem Gießen bei 55–65 °C für KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs bis zu etwa 70–80 °C für EcoSoya™ PillarBlend Wachs.
Nach der Zugabe:
- gründlich rühren, ohne unnötig Luft einzuarbeiten;
- Mischdauer und Mischmethode bei allen Chargen konstant halten;
- soweit möglich die Seiten und den Boden des Gießkrugs einbeziehen;
- bei der für das Wachs angegebenen Temperatur gießen.
Der Flammpunkt des Duftöls ist keine Verarbeitungstemperatur für Kerzen. Er sagt nicht aus, wann das Duftöl einem bestimmten Wachs hinzugefügt werden soll.
Unter kontrollierten Bedingungen gießen
Gießen Sie gleichmäßig und vermeiden Sie unnötiges Spritzen oder die Bildung von Luftblasen.
Die Gießtemperaturen der Beispielwachse:
- etwa 55–65 °C für Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen;
- etwa 55–65 °C für Golden Wax™ R45+ Behälterwachs;
- etwa 65–70 °C für EcoSoya™ PillarBlend Wachs;
- etwa 55–65 °C für KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs.
Halten Sie die Arbeitsfläche eben. Vermeiden Sie plötzliche Temperaturschwankungen und Zugluft, während das Wachs fest wird.
Dokumentieren Sie sowohl die Wachs- als auch die Raumtemperatur. „Gegossen, als es richtig aussah“ lässt sich bei der nächsten Charge nur schwer reproduzieren.
Kerze abkühlen und aushärten lassen
Lassen Sie die Kerze ungestört auf einer ebenen Fläche stehen, bis sie vollständig fest ist.
Vermeiden Sie:
- starke Zugluft;
- direkte Sonneneinstrahlung;
- kalte Stein- oder Metallflächen;
- das Bewegen der Kerze, während das Wachs fest wird;
- künstlich beschleunigtes Abkühlen, sofern der Wachshersteller dies nicht ausdrücklich empfiehlt.
Abkühlen und Aushärten sind zwei getrennte Phasen.
Beim Abkühlen verändert sich das Wachs physikalisch von einer Flüssigkeit zu einer festen Kerze. Dieser Prozess beeinflusst Oberfläche, Haftung, Schrumpfung und Struktur.
Die anschließende Aushärte- beziehungsweise Reifezeit ist der Zeitraum vor dem Leistungstest oder der Verwendung. Eine Kerze kann vollständig fest sein und dennoch noch nicht für eine aussagekräftige Beurteilung des Warmdufts bereit sein.
Sofern die Verarbeitungshinweise des Wachses dies zulassen, kann nach 48 Stunden ein vorläufiger technischer Abbrenntest durchgeführt werden. Damit lassen sich deutliche Docht- oder Verbrennungsprobleme erkennen. Es handelt sich jedoch nicht zwangsläufig um den abschließenden Test der Duftleistung.
Bei Sojawachs-Behälterkerzen sind etwa 7–14 Tage ein häufig verwendeter praktischer Zeitraum für die abschließende Beurteilung des Warmdufts. Dies ist keine allgemeingültige Vorgabe aller Wachshersteller.
Für Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen gelten etwa 10–14 Tage als verbreiteter praktischer Richtwert für die abschließende Beurteilung des Warmdufts. Diese Aushärtezeit ist im AAK-Produktdatenblatt nicht angegeben.
Wenn der Hersteller keine genaue Aushärtezeit nennt, vergleichen Sie die Leistung nach 48 Stunden, 7 Tagen und 14 Tagen, bevor Sie Ihren Produktionsstandard festlegen.
Kennzeichnen Sie jeden Test mit dem Gießdatum und dem frühestmöglichen Testdatum.
Docht kürzen und Abbrenntest durchführen
Sofern der Dochtlieferant nichts anderes vorgibt, kürzen Sie einen Baumwolldocht vor dem Test auf etwa 6 mm.
Testen Sie die Kerze unter kontrollierten Bedingungen und dokumentieren Sie die Ergebnisse über ihre gesamte vorgesehene Brenndauer. Ein normaler Brennzyklus sollte höchstens vier Stunden dauern. Zwischen den Zyklen muss die Kerze vollständig abkühlen.
TESTS
Eine Kerze richtig abbrennen und testen
Ein Abbrenntest bewertet die vollständige Rezeptur – nicht den Docht isoliert. Sobald Sie Duftöl, Duftölanteil, Farbstoff, Wachs, Behälter, Formdurchmesser oder Docht ändern, haben Sie die Rezeptur verändert.
Für einen aussagekräftigen Vergleich:
- Stellen Sie Testkerzen mit demselben Wachs, Duftölanteil, Farbstoff und Format her.
- Testen Sie den empfohlenen Docht und, wenn möglich, die angrenzenden Größen.
- Lassen Sie alle Testkerzen gleich lange aushärten.
- Brennen Sie sie unter denselben Bedingungen in einheitlichen Zyklen von höchstens vier Stunden ab.
- Dokumentieren Sie Flammenverhalten, Entwicklung des Schmelzpools, Ruß, Kohlenstoffablagerungen, Behälter- oder Kerzenoberflächentemperatur und verbleibendes Wachs.
- Ändern Sie eine Variable, stellen Sie eine neue Charge her und wiederholen Sie den Test.
Eine vorläufige Sicherheits- und Dochtkontrolle kann nach der für das Wachs zulässigen Mindestaushärtezeit erfolgen. Der Warmduft sollte erst nach der festgelegten vollständigen Aushärtezeit abschließend beurteilt werden.
Eine Kerze, die sich im ersten Brennzyklus gut verhält, kann später trotzdem überhitzen, wenn weniger Wachs vorhanden ist und die Flamme tiefer im Behälter steht. Testen Sie bis zum Ende – nicht nur bis zum ersten attraktiven Foto.
Häufige Probleme bei der Kerzenherstellung
| Problem | Mögliche Ursachen | Was Sie als Nächstes testen sollten |
|---|---|---|
| Tunnelbildung oder dauerhaft schmaler Schmelzpool | Docht zu klein, zu kurze Brennzyklen oder inkompatible Wachs-Docht-Kombination | Testen Sie die nächstgrößere Dochtgröße, ohne die übrige Rezeptur zu verändern |
| Große Flamme, Ruß oder starke Kohlenstoffablagerungen | Docht zu groß, Docht zu lang, Zugluft oder hoher Duftöl- beziehungsweise Farbstoffanteil | Docht richtig kürzen, Zugluft vermeiden und einen kleineren Docht testen |
| Schwacher Warmduft | Kerze zu früh getestet, ungeeigneter Docht oder Schmelzpool, schlechte Kompatibilität von Wachs und Duftöl oder ungeeigneter Duftölanteil | Vollständige Aushärtezeit abwarten und den Docht überprüfen, bevor Sie den Duftölanteil erhöhen |
| Öl auf der Oberfläche | Duftölanteil zu hoch, unzureichendes Vermischen, falsche Verarbeitungstemperatur oder Inkompatibilität | Duftölanteil reduzieren und die Charge unter genauer Einhaltung der Wachsanleitung wiederholen |
| Einfallstellen, Risse oder unebene Oberfläche | Wachsschrumpfung oder zu schnelles beziehungsweise ungleichmäßiges Abkühlen | Die für das Wachs empfohlene Gieß- und Abkühlmethode befolgen |
| Frosting oder Wet Spots | Kristallisation des Wachses, Haftung, Raumtemperatur oder Abkühlbedingungen | Prozess standardisieren, bevor Sie die Rezeptur verändern |
| Stumpenkerze verbiegt sich, bricht aus oder bleibt in der Form hängen | Falsches Wachs, zu frühes Entformen, unzureichende Formvorbereitung oder ungeeignete Abkühlbedingungen | Prüfen, ob das Wachs für Stumpenkerzen vorgesehen ist, und die Hinweise zur Entformung befolgen |
| Stumpenkerze läuft aus oder bildet Rinnen | Docht zu groß, ungleichmäßige Außenwand oder nicht zentrierter Docht | Einen kleineren Docht testen und die Dochtposition überprüfen |
| Behälter wird zu heiß | Docht zu groß, mehrere Dochte zu dicht beieinander oder zu wenig verbleibendes Wachs | Test sofort abbrechen und Dochtgröße oder Dochtanordnung überarbeiten |
Natürliche Pflanzenwachse können Frosting, Farbabweichungen oder kleinere Veränderungen der Oberfläche zeigen. Das sind nicht immer funktionale Mängel. Bewerten Sie die Optik getrennt von Verbrennungssicherheit und Leistung.
Versuchen Sie nicht, jedes Problem mit mehr Duftöl oder einem größeren Docht zu lösen. So bekommt ein kleines Problem schnell Gesellschaft.
SICHERHEIT
Sicherheit bei der Kerzenherstellung
- Arbeiten Sie auf einer stabilen, hitzebeständigen Fläche und sorgen Sie für gute Belüftung.
- Halten Sie Kinder, Haustiere, Lebensmittel und brennbare Materialien vom Arbeitsbereich fern.
- Tragen Sie beim Umgang mit heißem Wachs und heißen Geräten geeignete hitzebeständige Schutzausrüstung und geschlossene Schuhe.
- Halten Sie Wasser von heißem Wachs und elektrischen Geräten fern.
- Verwenden Sie niemals Wasser zum Löschen von brennendem Wachs.
- Lassen Sie weder schmelzendes Wachs noch eine brennende Testkerze unbeaufsichtigt.
- Verwenden Sie Behälter, die für Kerzen entwickelt und entsprechend getestet wurden. Dekoratives Glas ist nicht automatisch für Kerzen geeignet.
- Lagern Sie Duftöle, Farbstoffe und andere Materialien entsprechend den Vorgaben des Lieferanten.
- Bewahren Sie für jedes Material die relevanten Sicherheits- und technischen Unterlagen auf.
- Führen Sie Abbrenntests unter kontrollierten Bedingungen durch und halten Sie geeignete Brandschutzausrüstung bereit.
- Brechen Sie einen Test sofort ab, wenn das Gefäß gefährlich heiß wird, Risse bekommt oder andere Anzeichen eines Versagens zeigt.
- Verkaufen Sie niemals eine Kerzenrezeptur, die nicht über ihre gesamte vorgesehene Brenndauer getestet wurde.
PRODUKTIONSDOKUMENTATION
Kerzen für den Verkauf herstellen
In der gewerblichen Produktion besteht eine Kerze nicht einfach aus Wachs und Duftöl. Sie ist eine definierte und geprüfte Rezeptur.
Das Chargenprotokoll sollte enthalten:
- Materialbezeichnungen, Lieferanten und Chargennummern;
- genaue Gewichte und Prozentsätze;
- Erhitzungs-, Misch- und Gießtemperaturen;
- Spezifikation des Behälters oder der Form;
- Dochtspezifikation;
- Gießdatum und Aushärtezeit;
- Ergebnisse der Abbrenntests und sämtliche vorgenommenen Änderungen.
Bewahren Sie die Lieferantenunterlagen für Wachs, Duftöl, Farbstoff, Dochte und Behälter auf. Prüfen Sie vor dem Verkauf die chemische Einstufung und die Kennzeichnungspflichten der fertigen Rezeptur.
Je nach Zusammensetzung und Einstufung können eine CLP-Kennzeichnung, eine Meldung oder eine UFI-Nummer erforderlich sein.
Lesen Sie den praktischen EU-Leitfaden zu UFI-Codes und verwenden Sie, sofern erforderlich, den CLP-Etikettengenerator von AROMA + WAX.
HÄUFIGE FRAGEN
Fragen zur Kerzenherstellung
Welche Kerze lässt sich für Anfänger am einfachsten herstellen?
Eine einfache Behälterkerze in einem geradwandigen Glas ist als erstes Projekt meist am leichtesten zu kontrollieren. Wählen Sie ein Behälterwachs, ein für Kerzen geeignetes Glas und ein Duftöl. Farbstoffe und komplexe Mehrdocht-Konstruktionen können Sie bei späteren Tests ergänzen.
Kann Behälterwachs für Stumpenkerzen verwendet werden?
Normalerweise nicht. Behälterwachs ist meist weicher und dafür vorgesehen, im Gefäß zu bleiben. Eine Stumpenkerze benötigt ein Wachs, das seine Form hält und sich aus der Form lösen lässt.
Wie viel Duftöl gehört in eine Kerze?
Die Beispielwachse in diesem Leitfaden eignen sich für etwa 5–12 % Duftöl, berechnet auf Grundlage des Wachsgewichts. Der richtige Bereich hängt jedoch vom konkreten Produkt ab.
Berechnung:
Wachsgewicht × Duftölanteil ÷ 100
Die maximal zulässige Menge liefert nicht automatisch die beste Leistung.
Bei welcher Temperatur sollte Duftöl hinzugefügt werden?
Es gibt keine allgemeingültige Zugabetemperatur für Duftöl. Bei den Beispielen in diesem Leitfaden reicht sie von unmittelbar vor dem Gießen bei 55–65 °C bis zu etwa 70–80 °C.
Verwenden Sie die für das konkrete Wachs angegebene Temperatur – nicht den Flammpunkt des Duftöls.
Bei welcher Temperatur sollten Kerzen gegossen werden?
Die Beispielwachse haben Gießtemperaturen von etwa 55–70 °C:
- Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen: etwa 55–65 °C;
- Golden Wax™ R45+ Behälterwachs: etwa 55–65 °C;
- EcoSoya™ PillarBlend Wachs: etwa 65–70 °C;
- KeraSoy™ 4120 Stumpenwachs: etwa 55–65 °C.
Das konkrete Ergebnis hängt zusätzlich von der Raumtemperatur, der Kerzengeometrie und der vollständigen Rezeptur ab.
Wie wähle ich den richtigen Docht?
Verwenden Sie den Innendurchmesser des Behälters oder den größten Durchmesser der Stumpenkerze, um mithilfe einer Dochtgrößentabelle einen Ausgangspunkt zu bestimmen. Vergleichen Sie den empfohlenen Docht anschließend mit einem kleineren und einem größeren Docht in der vollständigen Rezeptur aus Wachs, Duftöl und Farbstoff.
Wie lange muss eine Kerze aushärten?
Beachten Sie zunächst die für das konkrete Wachs angegebene Mindestaushärtezeit.
Für die abschließende Beurteilung des Warmdufts sind bei Sojawachs-Behälterkerzen etwa 7–14 Tage ein häufig verwendeter praktischer Zeitraum. Dies ist keine allgemeingültige Herstellervorgabe.
Bei Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen gelten etwa 10–14 Tage als verbreiteter praktischer Richtwert. Das AAK-Produktdatenblatt nennt keine konkrete Aushärtezeit.
Ein Test nach 48 Stunden kann, sofern zulässig, als frühe technische Kontrolle sinnvoll sein. Er sollte jedoch nicht automatisch als abschließender Test der Duftleistung gelten.
Muss jedes Duftöl getestet werden?
Ja. Unterschiedliche Duftöle können die Wachsstruktur, das Dochtverhalten, die Entwicklung des Schmelzpools und die Rußbildung verändern. Wenn Sie das Duftöl austauschen, entsteht eine neue Rezeptur – auch wenn der Duftölanteil gleich bleibt.
Der nächste Schritt
- Folgen Sie der ausführlichen Anleitung zur Herstellung von Behälterkerzen.
- Verwenden Sie den Chargenrechner für Kerzen aus Pflanzenwachs, um Wachs und Duftöl zu berechnen.
- Lesen Sie den Leitfaden zur Wahl des richtigen Kerzenwachses.
- Finden Sie mit der Dochtgrößentabelle einen geeigneten Ausgangsdocht.
- Entdecken Sie Duftöle für die Kerzenherstellung, Kerzenwachse, Baumwolldochte, Kerzengläser und Deckel sowie Kerzenfarben.
Die technischen Angaben wurden am 21. August 2026 anhand der Dokumente auf den jeweiligen AROMA + WAX Produktseiten, der aktuellen Produkthinweise und der verfügbaren Herstellerinformationen überprüft. Die für Golden Wax™ 464 Sojawachs für Behälterkerzen und Golden Wax™ R45+ Behälterwachs genannten Verarbeitungstemperaturen sind praktische Ausgangswerte, da die aktuellen AAK-Produktdatenblätter in erster Linie physikalische Spezifikationen und keine vollständigen Herstellungsverfahren für Kerzen enthalten. Prüfen Sie vor Produktionsbeginn immer die neuesten Unterlagen für das konkret verwendete Wachs.
